Manchmal bringt ein großes, viel beachtetes Projekt auch kleine Nebeneffekte mit sich. Solche, die am Ende mehr und öfter Freude bereiten als das Ding an sich. Das Kunstwort „Gutmannsdörfer“ schreibt Wikipedia einfach dem Empfinden zu, eine Sache sei gut oder fühle sich gut an. Und schließlich ist das Hotelrestaurant gleichen Namens, das als Dreingabe zum neuen Parkhotel Hübner im Herzen von Warnemünde mitgeliefert wurde, für viele die Visitenkarte des Hauses.
In dieser Funktion zeigt es deutlich: Das Parkhotel Hübner will anders sein als das Strandhotel derselben Familie. Preis und Kategorie liegen einen Stern drunter. Die Gastronomie hat es da besonders schwer: Auch sie soll und will
sich abheben, ohne jedoch, dass der Name Hübner qualitativ Federn lassen müsste. Da muss ein neues Konzept her: Restaurant im Bistro-Stil, kombiniert mit einer Vinothek, eine kleine, aber gute Speisekarte, und schließlich noch der Außer-Haus-Verkauf des beeindruckend gefüllten Weinkellers sowie als Spezialität der Küche original Elsässer Flammkuchen.
Das Konzept klingt rund und stimmig. Diesen Eindruck vermitteln auch die freundlichen, zurückhaltenden Farben und großen Fenster in Verbindung mit schnellem und überaus freundlichem Service. Gutmann und Gutfrau sammeln ihre ersten Punkte schon bei der Bestellung: Antipasti-Büffet – selbst auswählen oder den freundlichen
Service in Anspruch nehmen? (Die Selbstauswahl führt sich freilich selbst ad absurdum, wenn man den großen Teller mit zwölf Sorten nimmt und am Büffet merkt, dass exakt zwölf Sorten zur „Auswahl“ bereit stehen.) Dürfen wir Ihr Jackett zur Garderobe bringen? Baguette zur Suppe? Mit Pesto? Die Aufmerksamkeit könnte nicht besser sein. Apropos Suppe: Wohl dem, der seinen Besuch auf einen Tagessuppentag legt, wo „Ostsee-Bouillabaisse“ in der Terrine dampft. Ihre Familienzugehörigkeit leugnet die Bouillabaisse nicht, aber auf einen Abklatsch vom provençalischen Original verzichtet sie bewusst und richtet den Blick nach Norden – auf die Ostsee und ihre Bewohner.
Eine kleine, aber feine Speisekarte (Steak, Lamm, Fisch) reicht völlig für das Gutmannsdörfer, das mit seinen Vorspeisen und seinem Weinangebot das Dinner zum Erlebnis macht. Zumal die Küchenqualität bei jedem Gericht stimmt. Lediglich beim Flammkuchen, wenn er schon als exotischer Ostsee-Import gefeiert wird, hätte man sich eine eigene Flammkuchenkarte und mehr als drei Sorten der elsässischen Mischung aus Pizza und Crêpe (es gibt die Flammkuchen auch „in süß“) gewünscht. Der Biss, das Knuspern und die hauchdünne Unterlage unter Crème fraîche und rosarotem Speck könnten jedoch in Straßburg oder Colmar nicht besser sein. Und wieder: Einen Salat dazu? Einen anderen Wein? Die Gutfrau