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Julia Dieckhöners fertiges Schiff: Die ASTOR mit ihren bodentief verglasten Suiten
einen für die Passagiere, einen für die Kollegen hier im Haus. Natürlich kennen unsere Gäste das Schiff sehr gut, aber auch unsere Kollegen hören seit Jahren ungezählte Gäste-Kommentare und Kunden-Wünsche und können einen sehr langfristigen Eindruck wiedergeben. Wir haben damals Hardware- und Softwarefragen gemischt, sehr vorsichtig übrigens, denn wir wollten keine hohen Erwartungen wecken, bevor das Projekt von der Premicon AG abgesegnet war.
Heraus kam unter anderem die für manchen überraschende Erkenntnis, dass wir mit einer Reduzierung der Passagierzahl wirtschaftlicher arbeiten können. Dies ergibt sich aus der Konvertierung von Standard-Kabinen zu neuen Suiten und Innensuiten. Das kommt übrigens den Passagieren sehr entgegen, denn nun steht die gleiche Crew für weniger Passagiere zur Verfügung. Dementsprechend können wir abschließend sagen, dass unsere optimierte wirtschaftliche Nutzung auch viele Vorteile für den Gast mit sich bringt.
SR-M:
Was waren Ihre Hauptziele, was wollten Sie verändern?
J. Dieckhöner:
Es ging in erster Linie um Vereinheitlichung. Auf der ASTOR hat nach 23 Jahren jeder Raum ein gewisses „Eigenleben“ geführt. Bei einer kurzen Werftzeit ist man leicht geneigt, einfach den Teppich zu nehmen, der gerade auf Lager ist. Inzwischen sah jeder Raum anders aus, und der Gesamteindruck stimmte einfach nicht mehr. Es musste wieder ein einheitliches Farbkonzept her, und das haben wir unter anderem mit
drei aufeinander abgestimmten Teppichdesigns umgesetzt. Wichtig war dabei, den Charakter des Schiffes nicht zu verändern. Der für die ASTOR sehr charakteristische Mahagoni-Farbton wurde zum Beispiel komplett erhalten.
SR-M:
Den Übersee Club haben sie aber flächensaniert.
J. Dieckhöner:
Dazu muss man sich die Geschichte des Übersee Clubs anschauen. Ursprünglich war dieser Raum eine Bar mit einem immer besser improvisierten Büffet. Natürlich hatte man lange Zeit Angst, den Raum als Bar zu verlieren. Dennoch nahmen ihn mit der Zeit immer mehr Passagiere ausschließlich als Büffet-Restaurant in Anspruch, was uns dann endgültig dazu veranlasst hat, den Schritt zum Büffet-Restaurant konsequent zu gehen.
SR-M:
Hans Sabert, der Innenarchitekt, der die beiden ASTORs ausgestattet hat, ist mit
80 Jahren an Bord zurückgekehrt, um mit Ihnen den Umbau in die Hand zu nehmen. Wie waren die Eindrücke von der Zusammenarbeit?
J. Dieckhöner:
Es war für mich großartig, mit einem so erfahrenen Mann zusammenarbeiten zu dürfen. Was er an Erfahrung mitbringt, kann niemand anders ersetzen. Er hat das Schiff von der Pieke auf geplant. Er konnte uns vieles erklären, was wir nicht verstanden, weil er sich an den Bau, die Probleme und die damals gefundenen Lösungen erinnert. Er hat uns sehr geholfen, Dinge von Anfang an richtig zu beurteilen. Er hatte die Abläufe fest in der Hand, und mancher Werftmitarbeiter zitterte, wenn er um die Ecke kam. Aber wir haben Hans Sabert als sehr, sehr liebenswerten Menschen kennen gelernt, sehr aufrichtig und geradlinig. Ich habe viel von ihm gelernt; Schiffbau einerseits, aber auch Verhandlungsstrategie.
SR-M:
Die Hardware der neuen ASTOR haben wir gesehen. Was soll die Software künftig auszeichnen?
J. Dieckhöner:
Wir haben hier schon einiges verändert, sind aber noch nicht am Ende der Entwicklung. Das Konzept ruht auf mehreren Säulen: Der Kreuzfahrtdirektor steht jetzt mit dem Hoteldirektor auf einer Ebene, was zu einem optimierten Service für unsere Gäste führen wird. Die Kreuzfahrtdirektorin ist die Repräsentantin von Transocean, der Hoteldirektor steht für das Catering-Unternehmen, welches übrigens sehr hohe Ziele anstrebt. Es muss gewährleistet sein, dass beide gemeinsam am Wohl der Gäste arbeiten. Die nächste Säule sind unsere Reiseleiter, bei denen wir viel Wert auf Qualifikationen legen. Eine der Damen hat beispielsweise eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau, hat Sport studiert und verfügt über verschiedene Trainerscheine. Sie gibt jetzt die Sportkurse an Bord. Eine andere Kollegin hat Erfahrung im künstlerischen Bereich und bietet Kalligraphie-Kurse an. Ansehen und Verantwortung der einzelnen Reiseleiter sind gestiegen, sie sollen keine Verwaltungsmenschen sein.
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