kraft seiner Umgebung entsprechend. Und damit deren Vertreter nicht bei „Hamburger and French Fries“ den Coup ihres Lebens verpassen, laufen über den Preistafeln auf einem überdimensionalen Leuchtband die aktuellen Börsenkurse. Derart gestärkt, geht es per Fußmarsch weiter gen Norden, durch die weniger vornehmen Viertel des südlichen Broadways, die man bei Tage gefahrlos durchstreifen kann. Und wir können es nicht lassen, uns ob der günstigen Gelegenheit von 12 $ mit einer „echten“ (wie uns immer wieder versichert wird) Rolex zu schmücken. Nächstes Ziel ist Greenwich Village, das „Dorf“ mitten in Manhattan. Bereits in den ersten Straßen lässt die Schönheit der kleinen, verhutzelten Häuschen, Tante-Emma-Läden und Gründerzeit-Villen, zwischen denen die Sonne
hindurchlugt und mit dem Grün der Alleebäume bizarre Schatten bildet, die am Horizont liegenden Wolkenkratzer vergessen. Auch hier ist die Gesellschaft
multikulturell, aber, wie es scheint, nicht so anonym wie in Groß-Manhattan. Bilder, Stickereien und Kunsthandwerk, Altes und Neues, Reelles und Abstraktes, das am Straßenrand und auf Flohmärkten feilgeboten wird, weist Greenwich-Village als Künstlerviertel Manhattans aus; Nachtbars mit eindeutig zweideutigen Ankündigungen lassen erahnen, dass hier des Abends die New Yorker Homo-Szene erwacht.
Nach Stunden hat man sich durch das Gewirr kleiner und kleinster Gässchen hindurchgewurschtelt, schlägt einen Bogen nach Osten und durchquert auf dem Rückweg China Town und Little Italy. Es ist schon erstaunlich, wie sich auch in einer Gesellschaft, die wie selbstverständlich aus allen Nationalitäten dieser Erde besteht, in der es (fast) keine Vorurteile gibt, in der scheinbar jeder den anderen ignoriert, Menschen eines Kulturkreises wieder zusammenfinden und sich eine Umgebung schaffen, die genauso gut
jenseits der chinesischen Mauer bzw. vor den Toren des Vatikans liegen könnte.
Die Wall Street hat sich verändert. Nicht mehr der ruhige Verkehrsfluss des Tages, die zügig, aber doch gemäßigt schreitenden Börsianer prägen das Straßenbild, sondern das hoffnungslose Chaos der New Yorker Rush Hour. Zeit für die U-Bahn nach Midtown! Wenn fast jedes der Hochhäuser im Schatten seines westlichen Nachbarn liegt – das ist die Stunde, die man auf dem Empire State Building verbringen muss! Mächtig und erhaben wie eh und je erhebt sich das wieder höchste Gebäude Manhattans, als habe es nie ein größeres gegeben; als sei es nie vom World Trade Center um acht Stockwerke überragt oder von King Kong erklettert worden. Schnell den Standard-Preis für Besichtigungen aller Art herausgekramt (denn nichts bringt die Einwohner unseres Gastgeberlandes mehr auf die Palme als jemand, der die Organisation