Liebe Leser des Schiffsreisen-Magazins, Kreuzfahrtfreunde und Schiffsliebhaber,
Der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Auch in diesem Sommer konnten wieder Reedereien und Werften die Erfahrung machen, dass der Endspurt bei der Fertigstellung eines neuen oder umgebauten Schiffes ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Kalender, in den letzten Stunden sogar mit der Stoppuhr ist. Wer das verstehen will, sprich: wer
nachvollziehen will, warum Fertigstellungstermine sehr knapp kalkuliert werden, muss kühl rechnen: Was kostet ein Schiff pro Tag – im Betrieb, im Unterhalt – und was bringt es ein? Im ungünstigsten Fall nichts, und das bedeutet schon bei einem älteren 500-Passagiere-Schiff, das in der Regel eine Charterrate von rund 50 000 Euro pro Tag hat, herbe Verluste. Hinzu kommt das angeknackste Image, wenn Passagiere auf der Jungfernreise den Pool nicht nutzen können, in einer Ecke des Foyers die letzten Teppichverlege-Arbeiten beobachten oder sich mit nicht funktionierenden Toiletten herumärgern müssen. Gründe für solche Ausfälle und Verzögerungen gibt es viele, ein Effekt jedoch ist fast immer mit im Spiel: eine Störung der Logistik. Wer Bernhard Meyer in Papenburg oder Werner Lüken von der Lloyd-Werft über die Schulter schaut, weiß, wie eng verzahnt die einzelnen Arbeiten sind, und wie sie passgenau aufeinanderfolgen. Da braucht es gar nicht das gefürchtete Feuer an Bord während der Werftzeit, um eine Fertigstellung um mehrere Tage oder Wochen zurückzuwerfen. Was nützt es beispielsweise, wenn die Wandverkleidungen pünktlich angeliefert werden, das Befestigungsmaterial trotz insolventem Hersteller mit Ach und Krach noch irgendwo beschafft werden kann, damit am Ende irgendwelche Muffen für die Rohrverbindungen hinter eben jener Wandverkleidung fehlen?