Es ist ihr heimlicher Heimathafen, obgleich am Heck die Bahama-Flagge weht, und als sei sie froh, mit verjüngtem, aber noch gut erkennbarem Antlitz ihre Werftzeit überstanden zu haben, schmiegt sich die ASTOR an die Bremerhavener Columbuskaje. Man
schreibt den 1. Juni 2010. Weiß, das Transocean-Logo am Schornstein, mit blauer Bauchbinde, ist sie eines der deutschesten aller Kreuzfahrtschiffe. Bei HDW in Kiel gebaut, mit Eigner in München, bereedert in Bremen, hatte die ASTOR vierzehn Jahre Zeit, um sich
ihre Fangemeinde aufzubauen. Und wenn von der „neuen“ ASTOR die Rede ist, dann vollführen die Werbefachleute einen Spagat zwischen der erheblichen Investition von 16 Millionen Euro, welche von der Werft „verbaut“ wurden, und dem Eindruck, dass die ASTOR eben doch noch die ASTOR geblieben ist.
„Wasch mich, aber mach mich nicht nass“, so hätte der Anspruch an scheinbar Unmögliches lauten können, dem sich das Umbau-Team der ASTOR seit fast einem Jahr verpflichtet sah. Denn wie fasst man ein 23 Jahre altes Schiff an, das nach einem Intermezzo unter dem Hammer- und Sichel-Label nicht nur in die Flotte eines