Im Frühjahr des Jahres 1883 startete unter neuer Bauleitung der zweite Versuch. Am 28.Mai 1883 gelang es, den Caisson auf 22 Meter unter Niedrigwasser abzusenken. Die Befüllung mit Beton erfolgte in Handarbeit, da es hierzu noch nicht die passenden Baumaschinen gab. 316 Kubikmeter wurden somit hochgeschaufelt und formten das Fundament, welches am 22. Mai 1884 fertig gestellt wurde. Der Aufbau des 52,5 m hohen Turmes konnte nun beginnen. Im zweiten Stock entstand ein Lagerraum und darüber ein Wohnraum und eine Küche. Der Wohnraum hatte drei Öffnungen für die Erker, in denen die Nebenfeuer eingesetzt wurden. Im Turmkopf wurde die Beleuchtung mit zweidochtigen Petroleumlampen für das
Hauptfeuer installiert. Die Kennung wurde durch Otterblenden und ein Uhrwerk erzeugt. In einem bestimmten Rhythmus öffneten sich diese Blenden durch Gewichte und erzeugten die Kennung. Am 01.11.1885 wurde um 0.00 Uhr das Feuer gezündet und wies von nun an fahrenden Schiffen den Weg in die Wesermündung. Es war zum damaligen Zeitpunkt das erste Offshore-Bauwerk der Welt und galt als Pionierleistung dieser Ära.
Im Jahre 1896 wurde der Turm schließlich über ein Seekabel mit der Insel Wangerooge verbunden und eine elektrische Bogenlampe im Hauptfeuer eingebaut. Aufgrund der Änderung der Kennung löschte man die Quermarkenfeuer in den Erkern, erhielt jedoch das Nebenfeuer im Nordosterker, welches bei der Einsegelung in die Alte
Weser hilfreich war. Häufig brach die Verbindung ab, sodass 1904 wieder auf Petroleumlicht umgestellt wurde. Betreut wurde das Ganze durch Leuchtfeuerwärter. Ohne Heizung und mutterseelenallein auf offener See, arbeiten Sie vier Wochen lang, bei Unwetter manchmal auch länger, bevor es zum Wachwechsel kam. In den Jahren darauf erfolgten einige Umstellungen der Befeuerungsarten auf Propangas und Dieselaggregate. Nachdem zwischen 1953 und 1955 Unterwasseruntersuchungen schwere Schäden am Turm ergaben, war die Zukunft des Turms ungewiss. Aufgrund der Instabilität kam er dabei auch nicht mehr für die vorgesehene Eingliederung in eine Radarkette in Frage. Daher wurde etwa drei Kilometer nördlich vom Roten Sand der Leuchtturm Alte Weser gebaut und nahm am 1. September 1964
seinen Betrieb auf. Die Mannschaft wurde vom Turm abgezogen. Der Leuchtturm Roter Sand verlor von nun an seine Bedeutung als Seezeichen. Lediglich als Gegenfeuer zum Leuchtturm Hoheweg, als Quermarkenfeuer und natürlich als Tagessichtmarke behielt er seine Funktion. Bis 1974 stand er unter der Verwaltung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bremerhaven. Die Nebelglocke sowie das Uhrenwerk des Turmes hielten Einzug in das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, wo sie noch heute von vielen Museumsbesuchern bewundert werden. Hiernach folgten lange Diskussionen über die Zukunft des Turmes. Von Abbau und Aufstellen des Oberteiles an Land, ja sogar von Abriss war die Rede.