Bei einem Segeltörn nach Helgoland entdeckte ich ihn. Einen bunten Strich in der Landschaft. War er weiß? Oder rot? Beides? Langsam vergröβerte sich der kleine Farbtupfer am Horizont. Je näher man kam, desto klarer wurde es, dass er sowohl rot als auch weiβ ist.
Es handelt sich um den Leuchtturm Roter Sand. Seit nun mehr 125 Jahren steht er in der Wesermündung auf halber Strecke zwischen Bremerhaven und Helgoland und agiert heute nur noch als Tagessichtmarke für die Schifffahrt. In Deutschland zählt er zu den bekanntesten Leuchttürmen überhaupt und findet noch heute in -zig Werbemitteln seinen Platz, sei es als Hohlfigur mit Teelicht oder als
Briefmarkenmotiv im Jahre 2004. Selbst die Poesie schenkte dem Turm Aufmerksamkeit, wie im Gedicht von Gerhard von Thienst kurz nach seiner Fertigstellung:
„Wo sich der Weser Wellen
vermählen der offenen See,
da ragt für fahrende Gesellen
ein trautes Mal in die Höh’.
Es ist gar trefflich gegründet
in Meerestiefen sein Stand.
Dem Maat sicher Fahren kündet
der Leuchtturm auf Roter Sand.“
Während der großen Auswandererwelle von Bremerhaven nach Amerika galt er als letztes Stück Heimat auf der Fahrt in die „Neue Welt”. Aber auch Seefahrer
von Übersee erkannten an ihm, dass Bremerhaven nicht mehr weit entfernt lag.
Namensgeber war, wie im Gedicht beschrieben, sein Standort auf der Untiefe „Roter Sand”. Diese Muschelbank nämlich sorgte dafür, dass ein Feuerschiff ungeeignet war. Somit entstand im Jahre 1878 die Idee zu einem Leuchtturm. Es sollten jedoch vier Jahre vergehen, bis schließlich der Grundstein gelegt war. Im Mai 1881 schleppten bei ruhiger See zwei Dampfschlepper einen Caisson, welcher als Fundament dienen sollte, zum Roten Sand.
Nachdem der Caisson unterwegs auf eine Sandbank aufgelaufen war, erreichten sie die vorgesehene Stelle. Beim Absenken erhielt der Caisson jedoch Schlagseite, konnte aber trotz der Pfingststürme wieder aufgerichtet werden. Am 13.10.1881 zerbrach der Senkkasten und beendete den ersten Versuch der Errichtung des Leuchtturmes auf hoher See.