Am 11. April 1912 starteten zwei Passagierschiffe zur Atlantik-Überquerung, allerdings in entgegengesetzter Richtung. Die TITANIC von der White Star Line war am 10. April 1912 von Southampton aus zur Jungfernfahrt aufgebrochen. Einen Tag später verließ sie nach einem kurzen Zwischenstopp den Hafen von Queenstown mit Kurs auf New York.
Am gleichen Tag machte sich in New York die CARPATHIA von der Cunard Line auf den Weg über den Atlantik. Sie war auf dem Weg ins Mittelmeer. An Bord waren 770 Passagiere; bis zu 2.550 Personen konnte sie maximal befördern. Mit dem Komfort und dem Luxus der TITANIC konnte das neun Jahre alte Schiff nicht mithalten. Auch nach einem
Umbau im Jahr 1905 gab es in der dritten Klasse nur wenige Kabinen, die Passagiere waren überwiegend in Schlafsälen untergebracht. Aber Luxus dürfte für die 705 Menschen von der TITANIC, welche die CARPATHIA aus den Booten im eisigen Nordatlantik rettete, zweitrangig gewesen sein.
Dreieinhalb Tage später, am 15. April um 0.30 Uhr, hatte der Funker der CARPATHIA einen langen Arbeitstag hinter sich. Er war der einzige Funker an Bord und seit dem frühen Morgen im Dienst. Als er gerade Feierabend machen und sein Funkgerät abschalten wollte, hörte er den Notruf CQD (Come Quick, Danger) von der TITANIC. Er informierte sofort den diensthabenden
Offizier, gemeinsam gingen sie zum Kapitän, der sich schon in seine Kabine zurückgezogen hatte. Kapitän Arthur Rostron war ein erfahrener Mann. Seit 27 Jahren fuhr er zur See; seit drei
Monaten erst hatte er das Kommando auf der CARPATHIA. Er konnte kaum glauben, was ihm da gemeldet wurde. Zwei Mal fragte er zurück, ob der Notruf wirklich von der „unsinkbaren“ TITANIC käme. Als ihm sein Funker aber ohne jeden Zweifel bestätigt hatte, dass die TITANIC dringend Hilfe benötigte, verließ er sich auf die Information und handelte sofort.
Die CARPATHIA fuhr auf der Südroute durch den Atlantik und hatte von Eisbergen nichts zu befürchten. Jetzt befahl er „Volle Fahrt voraus“ zur Position der TITANIC. Er wusste, dass die CARPATHIA die Unglücksstelle erst in etwa vier Stunden erreichen konnte und dass bei den eisigen Temperaturen auf der Nordroute im Atlantik Eile geboten war. Er holte alles aus seinem Schiff heraus, was möglich