Schiffsreisen-Logo
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Mit dem Reisen fing alles an. Reisen nach Ungarn, wo sich ab September 1989 DDR-Bürger in der Botschaft der Bundesrepubik sammelten. Nachrichten drangen noch nicht durch den Eisernen Vorhang, und so wurde der Spaziergang, der zufällig am Botschaftszaun vorbeiführte, begleitet von Verwunderung über die lockere Art, mit der offenbar hunderte von Schulklassen und Freizeitgruppen spätsommerliche Zeltferien im Botschaftspark verbrachten. Wer aber, der auf
Städtetrip im gerade noch existierenden Ostblock war, hätte auf die andere, die noch viel unwahrscheinlichere Erklärung kommen sollen: auf die Wahrheit? Wer hätte den über die Köpfe der Wartenden ragenden Balkon wahrnehmen sollen als jenen Ort, von dem wenige Wochen später die Freiheit verkündet würde? Und wer hätte gewagt, das Genscherwort von der Ausreise als
ersten aus der Berliner Mauer krachend zu Boden fallenden Brocken zu hören?
Am allerwenigsten die Menschen, die zu jener Zeit auf den Weltmeeren unterwegs waren. Sei es im Mittelmeer oder schon in der Karibik, im Roten Meer oder auf der anderen Seite des Globus’. Denn was für uns heute selbstverständlich ist, der Druck auf den Knopf vom Kabinen-TV, das gab es damals noch nicht. Jedenfalls nicht als „Heimatfernsehen“ per Satellit. Und so konnte es auch auf der damaligen EUROPA, der heutigen BLEU DE FRANCE, gelingen, die auf der Brücke bereits bekannte Nachricht bis nach dem Abendessen geheim zu halten, wie der langjährige Erste Offizier Peter Losinger erzählt. „Kapitän Raasch wollte die frohe Botschaft allen Passagieren im Europasalon im Rahmen des Abendessens verkünden“, erinnert sich Losinger. Die Wirkung innerhalb der Gemeinschaft der Reisenden auf dem 600 Passagiere fassenden Schiff war natürlich überwältigend. „EUROPA-like“, wie Losinger betont, also distinguiert und stilvoll. Erst herrschte völlige Stille, als wenn das Schiff eine Nebelwand durchführe, von der man noch nicht weiß, was dahinter ist. Dann aber, weiß Losinger noch – „ich werde das Bild nie vergessen“ - war die Begeisterung ungetrübt, die Passagiere
tranken auf das Ereignis und die Zukunft, viele lagen sich spontan in den Armen. Als „ruhigen, stillen Freudentaumel“ hat Peter Losinger die Passagierreaktion in Erinnerung, und jedenfalls eines, da ist er sicher, hat er an diesem Abend nicht gehört: bange Fragen oder gar Zweifel, was das neue Miteinander der Deutschen bringen möge – womöglich Kosten oder gar Einschränkungen für die bisher Privilegierten, zu denen jedenfalls die EUROPA-Passagiere ausnahmslos gehören dürften. Karin Kilian, heute Junior-Chefin von Hansa-Touristik in Stuttgart, war gerade als Reiseleiterin auf der EUROPA und ergänzt: „Hinter den Kulissen erfuhren wir natürlich sofort, was los war. Die Eltern meines Kollegen Martin Elliger kamen uns Büro gestürmt. Sie hatten’s schon gehört, und
In Berlin fing alles an
1. Offizier Peter Losinger (MS EUROPA)
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