Schiffsreisen-Logo
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Liebe Leser des Schiffsreisen-Magazins, Kreuzfahrtfreunde und Schiffsliebhaber,
gute Zeiten für Reisende – denn die Preise purzeln in ungeahnte Tiefen – sind schlechte Zeiten für die Kreuzfahrtwelt. Auch, dass halb leere Schiffe nur solange Freude machen, wie die Passagiere von zwei Essens-Sitzungen zu einer zusammengefasst werden und stets Liegen am Swimming-
Pool frei sind, das Schiff aber immerhin noch fährt, wissen Flussreise-Kunden der Reederei Deilmann inzwischen ebenso gut wie jene von Transocean Tours, die sich auf eine Weltreise mit der ASTOR gefreut hatten.
„In der Krise müssen wir enger zusammenrücken“ heißt ein Schlagwort, das gerade in den letzten Wochen und Monaten bisweilen zu hören ist. Gerade das ist aber unerklärlicherweise in dieser kleinen Branche, in der jeder jeden kennt, kaum üblich. Gerade die deutschen Kreuzfahrtveranstalter, die mehrheitlich nur ein oder zwei Hochseeschiffe in Fahrt haben, täten klug daran, durch bessere Abstimmung untereinander der inzwischen übermächtigen Mitbewerberschaft entgegen zu treten. Warum braucht es, um die „heimatlosen“ Weltreisen-Passagiere der ASTOR auf die DEUTSCHLAND umzubuchen, einen gemeinsamen Insolvenzverwalter beider Unternehmen? Warum muss erst eines der Unternehmen gänzlich, das andere zur Hälfte in Insolvenz versinken, um eine gemeinsame Weltreise durchführen zu können? Eine Kooperation zu beider Nutzen hätte man auch früher haben können, stünden nicht Stolz und der Tunnelblick aufs eigene Unternehmen dagegen.
An Bord der MSC SPLENDIDA saß ich jüngst am Kapitänstisch und erzählte, wie sehr ich mich darüber freue, dass meine Berliner Kollegin Jenny May mit
ihren erstklassigen Italienisch-Kenntnissen die Kontakte zu den italienischen Reedereien für uns pflegt. Als Beispiel kam ich auf ein Interview auf der ITB 2009 zu sprechen, das Frau May geführt hat, und das sehr rasch zum „Kaffeeplausch alla Italiana“ wurde, bei dem Interviewpartner Giovanni Onorato die Zeit und seine nächsten Termine vergaß. Ich hatte noch nicht einmal den Namen der betreffenden Reederei – Costa – erwähnt, sondern nur den des Geschäftsführers, als das Gespräch vom Kapitän brüsk unterbrochen wurde: „We don’t have anything to do with that company; I don’t want to hear about that!“ Kein Gespräch bitte, in dem eine andere Reederei auch nur ansatzweise vorkommt. Ähnliches erlebte ich schon vor zwei Jahren, als ich an Bord eines deutschen Cruise-Liners einem Mitpassagier einen Filmbeitrag über die Taufe des betreffenden Schiffes zeigte. Dummerweise folgte direkt im Anschluss eine Island-Spitzbergen-Reportage, gedreht auf dem Schiff eines Mitbewerbers. Der Kreuzfahrtdirektor stand schon in den Startlöchern, um mich direkt nach dem Abgang meines Gesprächspartners mit einer saftigen Gardinenpredigt zu bedenken – da nützte auch die Frage: „Und wie wollen Sie im nächsten Hafen geheim halten, dass es außer Ihrem Schiff noch andere gibt?“ nicht mehr viel.
Unter der Bericht erstattenden Zunft der Kreuzfahrt-Journalisten hat sich das in den letzten Jahren geändert. Mit Freude stelle ich fest, dass fast jeder Kollege den anderen anrufen kann mit der Bitte um eine Information, ein Foto oder einen Kontakt. Der Austausch klappt fast immer „auf dem kleinen Dienstweg“.
Spätestens aber, wenn ein Kreuzfahrt-
Veranstalter dabei mitspielen soll, wird’s wieder schwierig. Die Verteilung von Werbeflyern für das Schiffsreisen-Magazin an eincheckende AIDA-Passagiere in Hamburg wurde von AIDA gestoppt und verboten – die Befürchtung, es könne jemand beim Lesen einen Blick auf das „falsche“ Schiff erhaschen, ist größer als das Bewusstsein um den Nutzen kontinuierlicher Berichterstattung. Tom Fecke, Deutschland-Chef von Royal Caribbean, sieht das lockerer. Er sprach sich in einer Unterhaltung auf der Hamburger Messe „Seatrade“ offen für mehr Kooperation aus: „Wir sollten das Ziel, Kreuzfahrten zum Erfolg zu führen, mehr als gemeinsames Projekt sehen“, sagt er und nennt als Beispiel die gemeinsam von vielen Veranstaltern ausgerichtete „Kreuzfahrt-Woche“. Auch Herbert Fervers, Inhaber von Lord Nelson Seereisen (MS MONA LISA) hat kein Problem damit, anderen ihren Erfolg zu gönnen: „Leben und leben lassen“, lautet kurz und knapp seine Devise.
Vielleicht gelingt es ja, nach diesen Beispielen die Parallele zwischen ums Überleben rudernden Reiseveranstaltern und einer Schiffshavarie zu erkennen: Spätestens beim Einsteigen in die Rettungsboote arbeitet man Hand in Hand, nicht gegeneinander. Vielleicht geht’s auch schon ein bisschen früher?
Herzlichst,
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