Die »Princess Daphne« hat immer das gemacht, was man heute von Jobsuchenden erwartet: Sie passt sich dem Zeitgeist an. Vom Frachter über den Luxusliner zum legeren Ferienschiff. Deswegen ist sie heute noch ein beliebtes Kreuzfahrtschiff. Nun bekommt sie noch Expeditions-Schlauchboote.
Das Bild an der Pier ist ein kleiner Ausschnitt dessen, was die schönen Genueser Kaufmannshäuser in den 50er Jahren täglich sahen: schlanker Schiffskörper, dessen daumendicke Stahlplatten von Nieten zusammengehalten werden, langer Bug und endloses Achterdeck. Kaum lugt der rote Schornstein der »Princess Daphne« über die Schnellstraße hinweg, die
Genuas Altstadt vom Hafen trennt. Ist sie schuld daran, dass so wenige Kreuzfahrer, die hier an Bord gehen, einen Bummel durch die engen Gassen machen, die so gar nicht zu den prächtigen Hauseingängen und Fassaden passen wollen? Die Auslagen in den Geschäften: molto italiano – Grappa und Oliven, Parmesan und andere Spezialitäten. Dazu alte Männer beim Kartenspiel und hübsche Signorinas in knallengen Jeans. Auch die »Princess Daphne« war einst eine schöne Italienerin. In ihrem zweiten Leben. Das erste verbrachte sie als Frachtschiff, 1975 erfolgte der Umbau zum Luxusliner. Heute fährt sie mit ihren geräumigen Kabinen, von denen die Suitenkategorie sogar Balkone hat, in der guten Mittelklasse.
Sobald Genua hinterm Flaggenmast zurückbleibt, zeigt die »Princess Daphne«, was in ihr steckt. Ihre Promenaden und das Achterdeck stehen voller Passagiere. Neben dem Swimmingpool werden an einer Buffetstation morgens und mittags kalte und warme Speisen als Alternative zum Restaurant „Montreux“ aufgetischt. Das Restaurant selbst hat Platz für alle Gäste; das Dinner läuft entspannt, weil keine zweite Riege von Hungrigen wartet. Inkludierter Tischwein schaft eine gelöste Atmosphäre; dazu gibt es gute Flaschenweine auch für den kleinen Geldbeutel.
Ein Schiff wie die »Princess Daphne« lebt von der Bordatmosphäre, geschaffen durch viele fleißige und
freundliche Mitarbeiter. Sie laden zum Bingo-Spiel ein, bieten Gymnastik-Kurse an und bringen die Reisenden zum Gedankenaustausch zusammen. Der „gute Geist“ an Bord ist Hostess Erika Albrecht. Wenn sie nach einem 12-Stunden-Tag mit Landausflugsbegleitung oder an der Rezeption abends selbst geschriebene Gedichte liest und an jedem Tisch gebeten wird, doch auf ein Gläschen zu verweilen, raunt man sich die Frage zu: Sie wird wohl schon über siebzig sein? Hier sei es verraten: Erika ist Mitte achtzig. Wie auch die »Princess Daphne« hat sie erst im zweiten Leben die Kreuzfahrt für sich entdeckt. Für ältere Passagiere ist sie eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe, für junge Stewardessen Mutter und Freundin. Vertrauensperson ist sie für beide.