Es sind kleine und mittlere Kreuzfahrtschiffe, die das geschützt in einer Bucht liegende St. Tropez ins Visier genommen haben. Hier ankern sie und bringen die Passagiere in Tenderbooten an Land. Der Rummel und eine reichliche Anzahl Tagestouristen, zu denen letztlich auch die Kreuzfahrer zählen, gehören zu St. Tropez wie das Meer zu einer Kreuzfahrt. Aber neben dem luxuriösen Yachthafen gibt es auch ein Kastell, einen Fischmarkt, einen unbedingt sehenswerten Friedhof, etliche Strände und Spazierwege.
Es scheint, als sei ein Boot einfach das bessere Transportmittel. Oder sozial höher stehend. Zumindest in St. Tropez.
Durch archaische Falschparkgebühren hat man es geschafft, beinahe alle Touristen auf den außerhalb liegenden Riesenparkplatz zu verbannen. Yachten, Schnellboote, Zodiacs und Holzkähne – all das findet dagegen unbegrenzt Einlass in das Hafenbecken, um das sich das touristische Zentrum von St. Tropez entwickelt hat.
Das war nicht immer so. Um die Jahrhundertwende muss St. Tropez von der Seeseite her wesentlich beschaulicher gewirkt haben als aus der Nähe. 1884 schrieb der französische Schriftsteller Maupassant, der sich auf einem Segelschiff näherte: „Dort ist St. Tropez, die kleine Hauptstadt dieser menschenleeren, unbekannten Welt, die
man das Maurengebirge nennt…“ Kurt Tucholsky besah sich das Städtchen, das zu dieser Zeit ein Fischerdorf war, 1925 genauer, und schrieb: „Bei aller Liebe - aber dann schon lieber Neuruppin. Dunkel sind die Gassen, ein Betrunkener durchschimpft sie, aus einem braunen Hause hört man einen Zank. Die Laternen brennen trübe. Am Hafen liegt ein Gewirr von Tauen und Segelleinwand, überall drücken sich Männer herum, es ist schmutzig und dürftig.“
Heute erhebt sich über dem Städtchen, das seine Millionäre auf ihren Schiffen, kaum kleiner als die Cruise-Liner draußen in der Bucht, empfängt, der gelb und lachsfarben getünchte Kirchturm als Wahrzeichen. Das rechteckige
Hafenbecken, der „Vieux Port“ (alter Hafen), ist mit Kaimauern zu einer breiten Promenade eingefasst. Es scheint, als ob damit beiden Genüge getan ist: denen, die sich am Heck ihrer Yachten des Abends von ihren