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Liebe Leser des Schiffsreisen-Magazins,
Kreuzfahrtfreunde und Schiffsliebhaber,
vor exakt einem Jahr begann mit den Aufständen in Tunesien, die eine Ablösung der Regierung zur Folge hatten, die Unruhen, die später fast die ganze islamische Welt berühren und
mehr oder weniger verändern sollten. Dies nahm seinen Ausgang in einem westlich orientierten, touristisch geprägten Land, von dem niemand eine solche Entwicklung vermutet hatte. Für die Kreuzfahrttouristik scheint seitdem eine Art Tsunami im Mittelmeer hin- und herzuschwappen. Der ist allerdings politischer Natur: Die sich ausbreitenden Unruhen ließen bald die eine, dann wieder eine andere Küste zur „terra non grata“ werden. Kaum, dass ägyptische Häfen im Frühjahr 2011 durch israelische ersetzt waren, gab’s Bombenanschläge im Heiligen Land. Beirut, das über Jahrzehnte ein unberechenbares Pulverfass war, ist hingegen wieder aufgebaut und wird sogar seinem Ruf als „Paris es Nahen Ostens“ wieder gerecht. Man besucht es gern. Tripolis und die Ausgrabungen von Leptis Magna aber sind nun wieder auf unbestimmte Zeit tabu, nachdem das Land gerade zu einem neuen Kreuzfahrtmagneten geworden war und selbst Diktator Gaddafi eher als verschrobene Sehenswürdigkeit empfunden wurde, der man mit Briefmarkensätzen und skurrilen Glorifizierungs-Armbanduhren huldigte, denn als Angstfigur.
Aber die Kreuzfahrtgesellschaften gäben die wichtigste Trumpfkarte ihrer
Hotelbettenburgen preis, nutzten sie nicht den Vorteil des Standortes, der keiner ist. Kein anderes Hotel lässt sich aus dem Krisengebiet herausmanövrieren! Und so findet man Mittel und neue Wege, wo man sie sonst vielleicht nie gesucht hätte: Statt die Gäste von Bella Napoli einen teuren Bootsausflug buchen zu lassen, wirft die »Costa Fascinosa« den Anker direkt vor der Insel Capri. Statt Mallorca steuert man nun gerne auch Menorca an, und eine Renaissance erlebt der Tiefwasserhafen des zauberhaften Villefranche sur Mer (sehen Sie hierzu bitte unser „Themenspezial Côte d’Azur“). Einen Steinwurf östlich von Nizza ziehen sich die in Art-Déco-Farben getünchten Häuser der Künstler und Lebenskünstler, die sich seit den
1930er Jahren hier niederlassen, einem Amphitheater gleich um die berggesäumte Bucht. Auf Sizilien sind auf einmal andere Häfen interessant als Messina und Palermo: Einige Schiffe ankern direkt in der Bucht von Naxos zwischen der Etna-Kulisse und Taormina, andere suchen neue Abenteuer in Catania, Trapani und Syrakus.
Warum nur ist das Mittelmeer auf den gemütlichen, deutschsprachigen Kreuzfahrtschiffen nie mehr als ein Lückenfüller für die Herbst- und Frühjahrssaison? Ganz einfach: Weil sie überwiegend in Deutschlands Norden bereedert und geroutet werden. Und 80 Millionen Deutsche, mal abgesehen von
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